„Mein ganzes Leben war ein Fehler, da wurd ich Maler und Erzähler“. John Elsas (1851-1935), seine Collagen, Aquarelle und Knittelverse

Eine Ausstellung aus der Sammlung Florence Gottet im Winckelmann-Museum vom 14.6. bis 7.9.2014

John Elsas (1851-1935) war eigentlich Bankier in Frankfurt am Main. Erst im Alter von etwa 74 Jahren, nach einigen wenigen Versuchen in den Jahren zuvor, begann er für seine Enkel bunte Bilder zu kleben und sie mit Versen zu versehen. Bald wendete er sich mit seinen Arbeiten auch an das erwachsene Publikum und fand in der Presse sehr gute Aufnahme. Vor 1933 kamen mehrere Ausstellungen mit seinen Collagen und Zeichnungen zustande, u.a. in München, Mannheim und Zürich, vor allem aber in der renommierten Berliner Galerie „Der Sturm“ von Herwarth Walden, in der damals die Großmeister der Avantgarde ausstellten.

Als jüdischer Bürger sah John Elsas die Gefahren des Nationalsozialismus auf sich zukommen und träumte in manchen Bildern vom Auswandern nach Palästina. Da er 1935 im Alter von fast 84 Jahren starb, musste er nicht mehr erleben, wie seine Tochter Irma 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde und dort 1944 umkam. Vorher hatte sie den Nachlass des Vaters, ca. 25.000 Blätter, sorgfältig in Kisten verpackt und an die in der Schweiz lebende Schwester adressiert. Im Jahr 1999 schenkte ein Enkel von John Elsas den Großteil der Bilder dem Museum im Lagerhaus in St. Gallen (Stiftung für schweizerische Naive Kunst und Art Brut), ein weiterer Teil kam in Besitz des Schweizer Arztes Dr. Stephan Gottet.

Die in der Ausstellung gezeigten Blätter befassen sich vor allem mit alltäglichen Themen in feinster Ironie. Im unteren Teil der Blätter kommentierte Elsas das Bild jeweils mit einem Knittelvers. Er wollte, dass seine Blätter „erheitern“. Vorzugsweise arbeitete er mit der Collage-Technik: Er schnitt und klebte seine Bilder aus Glanz- und Geschenkpapier, Tapetenresten, schillerndem Staniol, Buchbinderkarton und Textilien schnitt. Seine kindlich unbeholfen wirkenden Figuren, ernst wie heiter, verschmitzt wie betrübt, sind effektvoll und stilsicher aufs Papier montiert.

Die Ausstellung im Winckelmann-Museum Stendal beleuchtet in großer thematischer Bandbreite die Weltbetrachtung eines ironisch-feinfühligen älteren Herrn, in der letztlich auch die Antike ihren Platz hatte. Dr. Stephan Gottet, selbst Mitglied der Winckelmann-Gesellschaft, stellt die Bilder dankenswerter Weise als Leihgaben der Sonderausstellung zur Verfügung.