Winckelmann-Ausstellung

1717-1735 | Stendal Kindheit und Jugend

In dem Ausstellungsraum ist eine Schuhmacherwerkstatt nachgestellt, wie sie in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts für die Altmark typisch war: der Arbeitplatz des Vaters mit Schustertisch und Schemel sowie Werkzeug und Materialen; daneben der Familientisch und ein Alkoven als Schlafstätte. In diesem Bereich des heutigen Museums läßt sich das ehemalige Haus der Familie Winckelmann lokalisieren, das vor allem im Verlauf des 19. Jahrhunderts völlig umgestaltet wurde.
In dem schmalen, abgetrennten Raumteil werden Dokumente gezeigt, die über Winckelmanns Kindheit Auskunft geben, z.B. die Eintragung der Familie in die Bürgerrolle, Stipendiengesuche Winckelmanns sowie Bücher, die er während seiner Schulzeit gelesen hatte.

1736-1743 | Berlin - Halle - Jena: Student

Der zweite Raum dokumentiert die weitere Ausbildung Winckelmanns zunächst in Berlin am Gymnasium bei Chr. T. Damm, dessen Werke hier vorgestellt werden. Die Büste Homers verweist auf Winckelmanns Vorliebe für diesen griechischen Dichter von Jugend an.

Die Studienzeit in Halle veranschaulichen die Porträts der Professoren, bei denen Winckelmann hörte, und deren Werke. Besondere Beachtung verdient die Münzsammlung von J. H. Schulze, die in analogen Prägungen präsentiert wird.

Die Studien in Jena werden durch zeitgenössische medizinische und naturwissenschaftliche Literatur sowie Lexika dokumentiert. Kurz verwiesen wird auch auf Winckelmanns Arbeit als Hauslehrer.

1743-1755 | Seehausen - Dresden: Lehrer, Bibliothekar, erste Schriften

Die Eintragungen in der Seehausener Schulchronik geben hier Auskunft über Winckelmanns Konrektorat an der Lateinschule, wie auch zahlreiche zeitgenössische Ausgaben griechischer und römischer Autoren.

Eine Ansicht von Schloß Nöthnitz und das Bildnis des Reichsgrafen Heinrich von Bünau veranschaulichen Winckelmanns dortige Arbeit als Bibliothekar, wie auch ein Band des Bibliothekskatalogs. Bünaus vierbändige „Kaiser- und Reichshistorie” erinnert an Winckelmanns historische Forschungen.

Porträts von Oeser und Hagedorn weisen auf Dresdner Künstlerkreise, das des päpstlichen Gesandten auf Winckelmanns Glaubenswechsel. Beherrscht wird der Raum allerdings von der kleinen Herkulanerin, die Winckelmann in Dresden sah. Sie lenkt den Blick auf seine Kunststudien und seine erste epochemachende Schrift „Gedanken über die Nachahmung”, die er nach seiner Übersiedelung nach Dresden verfaßte.

1755-1768 | Rom - Tod in Triest

Kommissar aller Altertümer in und um Rom

Einen Eindruck von Rom zur Zeit Winckelmanns vermittelt die 12teilige Radierung von G. Vasi. Ergänzt wird das Bild der römischen Schaffensjahre durch Ansichten der Wohn- und Arbeitsstätten Winckelmanns. Seinen vertrauten Umgang mit Künstlern widerspiegeln das Porträt von A.R. Mengs sowie die zahlreichen Porträts, die die Künstler von dem Gelehrten anfertigten. Winckelmanns Hauptwerk die „Geschichte der Kunst des Altertums” verweist auf seine wissenschaftliche Laufbahn.

Dokumente über seine Ermordung, Grabmalsentwürfe, Gedenkschriften- und Medaillen erinnern an das tragische Ende des bald als Begründer des Klassischen Archäologie verehrten Altertumsforschers.

Pompeji - Herkulaneum | Schriften über Ausgrabungen

Dieser Raum ist in erster Linie den beiden Publikationen Winckelmanns über die Ausgrabungen in Herkulaneum und Pompeji gewidmet. Veranschaulicht werden Winckelmanns Untersuchungen durch Objekte aus der Antikensammlung des Museums, die im römischen Alltag im Gebrauch waren, so auch in den beiden vom Vesuv verschütteten Städten: Gefäße, Lampen, Fragmente eines Bettgestells usw. Hervorzuheben ist eine Folge von Aquarellen nach pompejanischen Wandmalereien. Obgleich sie 100 Jahre nach Winckelmann entstanden sind, zeigen sie doch die gleichen Motive, wie er sie sah. Ein Gipsabguß des Dionysos aus der Villa dei Papiri verweist auf die Entdeckung der Villa und die Ausgrabungen in der unter einer 20-30 m hohen verfestigten vulkanischen Schlammschicht liegenden Villa, die Winckelmann mit Interesse verfolgte.

Paestum - Florenz - Rom | Schriften zur Architektur, zu Gemmen und Vasen

Winckelmanns Studien der Gemmensammlungen werden dokumentiert anhand der Daktyliothek von Dehn und an der Abdrucksammlung des Barons von Stosch, die Winckelmann publizierte.

Die Forschungen Winckelmanns zur griechischen Vasenkunst werden an einigen Bespielen aus der eigenen Antikensammlung dargestellt. Besondere Beachtung verdient der 2. Band der handkolorierten Publikation der Vasensammlung von Sir William Hamilton, in den Winckelmanns Forschungen mit eingegangen sind.
Auf Winckelmanns Beschäftigung mit der griechischen Architektur verweisen nicht nur seine Schrift „Über die Baukunst der Alten” und Illustrationen späterer Ausgaben sondern auch Kopien seiner Exzerpthefte sowie die aktuelle historisch-kritisch kommentierte Ausgabe seiner Werke. Einen Eindruck der Tempel von Paestum der Winckelmann-Zeit vermitteln die Radierungen Piranesis.

Geschichte der Kunst des Altertums | Berühmte antike Skulpturen

Der letzte Raum ist dem Hauptwerk Winckelmanns, der „Geschichte der Kunst des Altertums”, gewidmet. Neben den beiden Auflagen des Werkes (1764 und posthum 1776) und den 1767 erschienenen „Anmerkungen über die Geschichte der Kunst des Altertums” wird Winckelmanns Kunsttheorie anhand von Gipsabgüssen der besonders geschätzten Antiken, wie der Laokoon-Gruppe, dem Torso und der Ariadne im Belvedere sowie einer Marmorbüste des Apoll von Belvedere veranschaulicht. Die stilistische Entwicklung der griechischen Kunst wird anhand von Stichen aus Winckelmanns „Monumenti antichi inediti” vorgeführt. Auf Winckelmanns eigene kleine Antikensammlung verweist der Abguß des sog. „Winckelmannschen Faun”, heute in der Glyptothek München.
Einen Ausblick bilden die in zahlreiche Sprachen übersetzen Ausgaben seiner „Geschichte der Kunst des Altertums”.