Ausstellungs- und Begegnungszentrum

Das Zentrum ist ein offener Treffpunkt mit Ausstellungsräumen, die zum gemeinsamen Studieren, zum Kunstgespräch und zum persönlichen Kunsterlebnis einladen. Sie finden ausreichend Sitzgelegenheiten, gut lesbare Beschriftungen,Kaffee, Ausstellungen zur Kunst- und Kulturgeschichte und Archäologie. Sie können sich im Ambiente klassizistischer Möbel und zahlreicher Rom-Ansichten (Sammlung Wangenheim) in das Rom der Winckelmann-Zeit versetzen lassen, in weiterführenden Büchern zu den Ausstellungen blättern und sich am Computer auf einen virtuellen Rundgang durch die Museen der Welt begeben. Sie können sich im Künstleratelier der Berliner Bildhauerin Christa Sammler mit den einzelnen Entstehungsstadien einer Skulptur – von der ersten Idee über Ideenskizzen, viele inspiriert von der Antike, bis hin zur fertigen Skulptur – beschäftigen. Sie erfahren in einer Skulpturengalerie mit Gipsabgüssen und Bronzenachgüssen berühmter Werke der griechischen Kunst, wo die Griechen und Römer ihre Statuen aufstellten und welche Geschichten eine Statue erzählen kann.

Das Zentrum ist täglich (außer montags) auf Voranmeldung oder von
14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet.

Zum Programm: Siehe unter Veranstaltungen

 

Nachmittag im Romzimmer 

Möchten Sie sich einen Nachmittag lang wie im Salon eines Herrenhauses fühlen und dabei Ansichten von Palästen, Kirchen und antiken Ruinen im Rom des Klassizismus, gezeichnet und gestochen von den Künstlern Giuseppe Vasi und Giovanni Battista Piranesi, genießen? Kolorierte Radierungen von Bartolomeo Pinelli zeigen Szenen aus dem Alltag im Rom des frühen 19. Jahrhunderts, Volksfeste, Karneval und Puppentheateraufführungen. Kolorierte Blätter nach den Stanzen Raffaels führen Sie in den Vatikan. Diese Kupferstiche dienten den damaligen Romreisenden als Souvenirs und sind Teil der Sammlung, die Wolfgang von Wangenheim in knapp zwei Jahrzehnten zusammengetragen und vor kurzem dem Winckelmann-Museum geschenkt hat.
Eine klassizistische Sitzgarnitur lädt ein zum Verweilen, die Kaffeemaschine spendet das im 18. Jahrhundert kostspielige Getränk, das sich Winckelmann – aus Kostengründen – 2 x aufbrühte.

 

Vom Entwurf zur Bronzeskulptur: Schauen Sie einer Bildhauerin über die Schulter – Blick ins Atelier von Christa Sammler

Die Berliner Künstlerin Christa Sammler (*1932 in Breslau) hat ihren gesamten künstlerischen Nachlass dem Winckelmann-Museum in Stendal übereignet:

- 26 Bronzeskulpturen und über 50 dazugehörige Gips- und Tonmodelle, Gipsabgussformen, knapp 10 Abgussformen aus Silikon, ca. 30 Fayencen und Keramiken
- 450 unveröffentlichte Zeichnungen, Aktzeichnungen, Porträtstudien, Landschaftsdarstellungen, Pflanzenstudien und Stillleben, Zeichnungen, die während ihrer Reisen durch Griechenland, Italien und Russland entstanden sind, Neujahrs- und Ostergrüße an Freun-de, Plakatentwürfe
- die Privatsammlung der Künstlerin, die ihr als Inspiration diente: zahlreiche Fundstücke, die sie in der Nachkriegszeit in den Trüm-mern Berlins sammelte, z. B. Teile eines klassizistischen Kamin-simses aus einer verlassenen Altbauwohnung, Relieffragmente aus der Bauakademie und Skulpturenfragmente von Friedhöfen
- eine Fotosammlung mit auf Reisen selbst gemachten Fotos, Fotos nach Antiken

Dieses Schauatelier vermittelt einen Einblick in die Gedanken-Werkstatt der Künstlerin und macht die verschiedenen Schritte, wie ein Kunstwerk entsteht, für den Betrachter transparent: Sie können z.B. den langen Weg von der Idee bis zum fertigen Relief erkennen.
Auf einem Bildschirm sehen Sie die Künstlerin selbst, die in Inter-views Auskunft über ihre Biographie und ihr künstlerisches Werk seit 1961 gibt.
Die Gipsformen dürfen angefasst werden und Sie können so zeitgenössische Kunst unmittelbar erleben und fühlen.
Die Arbeit mit Keramik und Fayence kann anhand zahlreicher Werkmaterialien wie Glasurpulver aus Meißen, Wachs zum Formen und verschiedener Tonproben studiert werden. Sie sehen, wie Ton und Glasur bei verschiedenen Temperaturen unterschiedlich reagieren.
Die Themen, die Christa Sammler darstellte, antike Mythologie und Kunst in Verbindung mit der jeweiligen historischen und eigenen Gegenwart, bieten vielleicht Anknüpfungspunkte zu Ihrer persönli-chen Geschichte.

 

Wie bei Kardinälen und Adeligen – Die Galerie antiker Skulpturen

Auch wenn Sie gerade nicht nach Frankfurt am Main, nach London, Berlin, Rom, Neapel oder Florenz reisen und berühmte antike Skulpturen genießen können, erleben Sie dennoch im Winckelmann-Museum das Flair antiker Plastik. Der lange Wandelgang bietet genug Sitzmöglichkeiten, um sich auch länger in den Anblick eines einzelnen Kunstwerks versenken zu können. Zu jeder Statue und zu jedem Relief gibt es auf einem Bildschirm Informationen incl. Bildmaterial zu den antiken Aufstellungsorten, zum Künstler und wie man fehlende Gliedmaßen und Attribute ergänzen kann. Sie erhalten Einblick in das Leben in griechischen Heiligtümern, auf einem antiken Sportplatz und erfahren, dass es u. U. ziemlich lange dauern konnte, bis eine Statue an ihrem jetzigen Ausstellungsort ankam.