Winckelmann und Lessing sind sich persönlich nie begegnet und standen in keinem Briefwechsel miteinander. Anfangs kannte Winckelmann nicht einmal den Namen des deutschen Dichters. Bald aber sprach sich herum, dass dieser junge Oberlausitzer beabsichtigte, Kritik an der Sichtweise des berühmten, in Rom lebenden Altertumsforschers Winckelmann üben zu wollen: „Herr Lessing … sagte mir, dass er in Winckelmanns Historie eine Menge Fehler entdeckt habe“ (Christian Felix Weiße).

Dies geschah 1766 im „Laokoon oder über die Grenzen der Mahlerey und Poesie“, Lessings bedeutendster und – wie sich zeigen sollte – erfolgreichster kunsttheoretischer Schrift. Winckelmann wahrte nach Lektüre derselben die Kontenance, schätze Lessings Stil und äußerte sich nur indirekt in Briefen an Freunde dazu. Doch warum steht der Laokoon im Zentrum der Debatte? Wie äußerten sich die unterschiedlichen Sichtweisen? Und welcher der beiden Geistesgrößen hatte größeren Einfluss auf die Kunstbetrachtung der Zukunft – bis heute?

Die Führung geht in der aktuellen Sonderausstellung zu Lessing und Winckelmann solchen und anderen Fragen nach. Anschließend können die Besucher im roten Saal der neuen Winckelmann-Ausstellung, dem sog. Belvedere-Raum, die Laokoongruppe in Originalgröße begutachten, die Urteile Winckelmanns und Lessings selbst überprüfen und multimedial Beschreibungen der Gruppe aus heutiger Sicht erleben.

Datum/Zeit
Datum - 06/01/2019
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