Ein Vortrag von Dr. Wolfgang Wettengel zur Finissage der Ausstellung „Märchen, Sagen und Symbole“

Um 1200 v. Chr. wurde zur Zeit des Kronprinzen Sethos, der später als Pharao Sethos II. regiert hat, eine Geschichte aufgeschrieben, die heute zu den bekanntesten literarischen Hinterlassenschaften des Alten Ägyptens zählt. Bata, der Held der Geschichte und ein Rinderhirte, muss wegen einer Verleumdung durch die Frau seines Bruders Anubis aus Ägypten fliehen. Nach mehreren Nachstellungen, Tod und Verwandlungen in einen Stier und in Bäume gelingt es ihm schließlich, am Hof des Pharaos König von Ägypten zu werden.

Die Erzählung enthält neben ägyptisch-mythologischen Elementen auch Teile von Mythen aus dem Ostmittelmeerraum, was auf sehr frühe internationale Beziehungen hinweist. Spuren führen darüber hinaus ins Alte Testament. Was jedoch den heutigen Leser am meisten erstaunt sind literarische Motive, wie wir sie in ähnlicher Form noch in Märchen der Brüder Grimm tradiert finden.

Der Referent Dr. Wolfgang Wettengel, Ägyptologe und Ko-Kurator der Ausstellung „Märchen, Sagen und Symbole“ stellt dieses einzigartige Literaturwerk vor und fragt schließlich nach dem Zweck dieser märchenhaft anmutenden, schriftlich niedergeschriebenen Erzählung, die mit einer Drohformel am Schluss der Geschichte vor falscher Auslegung warnt. Damit erhält die Geschichte neben ihrer literarischen Bedeutung eine besondere politische Brisanz, da das Königtum, um das es hier geht, in Ägypten als sakrosankt galt.

 

 

Datum/Zeit
Datum - 27/03/2022
15:00 - 16:30