Friedrich B. Henkel ist dem Winckelmann-Museum seit vielen Jahrzehnten aufs Engste verbunden. Schon seit 1986 steht auf dem Hof des Museums ein plastisches Ensemble, das der Künstler zu Ehren von Johann Joachim Winckelmann geschaffen hat – ein großformatiges Bronzerelief zusammen mit einer bronzenen Jünglingsstatue. Und gerade in den letzten fünf Jahren bekräftigte der Künstler seine Verbundenheit mit Stendal wiederholt durch Schenkungen an die Winckelmann-Gesellschaft: Zeichnungen, zum Teil als Collagen gefertigt, mit Motiven antiker Monumente in Rom und in der Toskana sowie Skizzen und Kompositionsentwürfe zur „Winckelmann-Ehrung“. Die Ausstellung präsentiert die Arbeiten erstmals komplett und vermag nun die Entstehungsgeschichte der „Winckelmann-Ehrung“ auf schlüssige Weise zu dokumentieren.

Gezeigt werden auch grafische Arbeiten aus Georgien und Budapest aus dem Sammlungsbestand des Museums. Wenngleich wir hier – strenggenommen – den Mittelmeerraum verlassen, so sind diese Arbeiten im Werkzusammenhang des Künstlers elementar. Insbesondere die außergewöhnliche Kulturlandschaft der kaukasischen Höhlenstädte Uplisziche und Wardsia, die Friedrich B. Henkel 1967 besuchte, wurden ihm zum Schlüsselerlebnis und stilprägend für seine zukünftige „metamorphe Sicht auf Landschaften“.

1979 und 1983 reiste er dann erstmals in die mediterrane Welt – nach Italien. Die in Rom gezeichneten antiken Monumente interpretierte er mit ganz eigenem Blick. So verdichtet er etwa die monumentalen Bausegmente der Caracalla-Thermen zu wuchtigen Raumkörpern und betont ihre kubisch-plastischen Werte, so dass die Grenzen zum figurativen Gestalten aufgebrochen sind.

Mehrere Steinskulpturen Friedrich B. Henkels, die hauptsächlich auf Eindrücke seiner Reisen auf die griechischen Kykladen 1995 und 1996 zurückgehen, zeigt die Ausstellung als Leihgaben aus dem Besitz des Künstlers. Die Skulpturen mit Darstellung mediterraner Bauten, Dörfer und Gehöfte auf den Inseln Naxos, Paros oder Thira entwickeln eine ganz eigene, reduzierte Formensprache. Gebaut aus großflächigen Blockelementen entstehen stereometrische Gebilde, die in ihrer Verdichtung für sich selbst stehen, gleichsam aber – differenziert durch Vor- und Rücksprünge, verschachtelte Strukturen oder verschliffene Konturen – kubisch-organische Raumbilder, sog. „Landschaftsfiguren“ ergeben können.

Das bildhauerische und zeichnerische Werk Henkels bedingt einander, zugleich aber bewahren seine Zeichnungen ihre Autonomie. Seine „Skulpturen auf Papier“, ebenfalls Leihgaben aus seinem Besitz, künden dies bereits im Titel. Die Zeichnungen mit Tempera und Kreide, teils als Collagen, kombiniert mit abgenutzten Sandpapieren, entstanden 2021 und 2022. Zeitgleich schuf der Künstler eine Folge von Zeichnungen mit Darstellung kykladischer Idole. Die bronzezeitlichen Originale, ihr hoher Grad an Abstraktion, belebt aber von subtilsten Schwellungen, und ihre souveräne Marmorbearbeitung faszinieren den Bildhauer seit Mitte der 1990er Jahre. Sie inspirieren ihn bis heute.

Datum/Zeit
Datum - 11/03/2023 - 14/05/2023
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