Vortrag zur Ausstellung „Kostbare Miniaturen. Kunst des Steinschneidens in acht Jahrtausenden. Aus der Sammlung Werner Daum“,
Dr. Eva Hofstetter
„Die Königin von Saba hörte von Salomons Ruf und kam, um ihn mit Rätselfragen auf die Probe zu stellen.“ (Altes Testament, Buch der Könige 10, 1–13) Ein Rätsel lautete: „Es lebt, bewegt sich nicht, doch wenn man ihm den Kopf abschlägt, bewegt es sich? – Ein Schiff auf dem Meer (aus einem Baum gefertigt).“ Salomon löste sämtliche Rätsel und die Königin bewunderte seine Weisheit und die Pracht seines Hofes und des von ihm erbauten Tempels. Die Rätsel wurden allerdings über 2000 Jahre nach dem Alten Testament niedergeschrieben. Ein Tempel oder Palast Salomons läßt sich in Jerusalem nicht nachweisen, ebenso wenig die Existenz einer Königin von Saba im 10. Jh. v. Chr. Jedoch sind beide präsent im Alten und Neuen Testament, im Koran, in Literatur, Kunst und Musik vieler Nationen bis ins 21. Jh. Die Königin wird Beisitzerin beim Jüngsten Gericht, Krippenfigur, schmückt christliche Kirchenfenster und Altäre, wird zur Personifikation der ‚abtrünnigen‘ lutherischen Kirche, die von Salomon (Verkörperung der ‚rechten‘ Kirche) gnädig aufgenommen wird. Im Islam erhält sie den Namen Bilqis und ist Tochter einer Dämonin, hat behaarte Beine und wird von Salomon, arabisch Süleyman, zum Islam bekehrt. Im Kebra Negast, dem Nationalepos Äthiopiens, heißt die ‚Königin des Südens‘ Makeda und ist Mutter des ersten äthiopischen Königs Menelik – der Vater ist Salomon. Der letzte äthiopische Kaiser Haile Selassie galt als Nachfahre der Königin von Saba.
Datum/Zeit
Datum - 15/04/2026
17:30 - 19:00